Biobasierte Biokunststoffe, Biologisch abbaubar, heimkompostierbar oder industriell kompostierbar?
Was sind biobasierte Biokunststoffe?
Biobasierte Biokunststoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, zum Beispiel aus Maisstärke, Zuckerrohr, Cellulose oder pflanzlichen Ölen. Sie ersetzen fossile Ausgangsstoffe wie Erdöl und reduzieren damit den CO2-Fußabdruck des fertigen Materials.
Wichtig ist die Unterscheidung gleich zu Beginn: Biobasiert beschreibt nur die Herkunft des Rohstoffs, nicht das Ende der Lebensdauer. Ein biobasierter Kunststoff kann genauso langlebig und persistent sein wie ein erdölbasierter, wenn er nicht gezielt auf biologischen Abbau formuliert wurde.
Bedeutung „biologisch abbaubar"
„Biologisch abbaubar" bedeutet, dass Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Algen das Material in seine natürlichen Bestandteile zerlegen können, am Ende bleiben Wasser, CO2 und Biomasse. Entscheidend sind dabei die Bedingungen, unter denen dieser Abbau stattfindet.
Genau hier entsteht in der Praxis die größte Verwirrung. Biologisch abbaubar ist nicht automatisch heimkompostierbar, und nicht jeder kompostierbare Kunststoff zerfällt im Gartenkompost. Deshalb gibt es klare Normen und Zertifikate, die festlegen, unter welchen Bedingungen ein Material in welcher Zeit vollständig abgebaut sein muss.
Heimkompostierbar, was steckt dahinter
Heimkompostierbar bedeutet, dass ein Material auf dem privaten Komposthaufen unter normalen Umgebungstemperaturen abgebaut wird. Hier herrschen keine industriellen Bedingungen, die Temperatur liegt meist zwischen 20 und 30 Grad Celsius, und der biologische Prozess läuft langsamer ab.
Das wichtigste Prüfsiegel in diesem Bereich ist „OK compost HOME" von TÜV Austria. Ein Material mit diesem Zertifikat muss sich unter Heimkompostbedingungen innerhalb von rund zwölf Monaten zu mindestens 90 Prozent in seine natürlichen Bestandteile zerlegen, ohne ökotoxische Rückstände zu hinterlassen.
Für Verbraucher ist dieses Siegel der verlässlichste Hinweis, dass ein Produkt tatsächlich im eigenen Komposter kompostiert werden darf, nicht in der Restmülltonne, nicht im gelben Sack.
Industrielle Kompostierung, kontrollierte Bedingungen
Industriell kompostierbare Kunststoffe benötigen die kontrollierten Bedingungen einer industriellen Kompostieranlage. Diese Anlagen erreichen über mehrere Wochen Temperaturen von etwa 58 Grad Celsius, dazu kommen hohe Feuchtigkeit, gezielte Belüftung und eine konstante mikrobielle Aktivität.
Die maßgebliche Norm ist die EN 13432. Sie verlangt, dass sich ein Material unter industriellen Kompostbedingungen innerhalb von zwölf Wochen ausreichend desintegriert und innerhalb von sechs Monaten zu mindestens 90 Prozent biologisch abgebaut wird. Zertifikate wie „OK compost INDUSTRIAL" oder das „Keimling"-Siegel von DIN CERTCO basieren auf dieser Norm.
Wichtig zu wissen: Ein Material, das nur nach EN 13432 zertifiziert ist, gehört nicht in den heimischen Kompost. Die dort herrschenden Bedingungen reichen nicht aus, um den Abbau in vertretbarer Zeit auszulösen.
| Kriterium | Heimkompostierbar | Industriell kompostierbar |
|---|---|---|
| Temperatur | ca. 20 bis 30 °C, Umgebungsklima | ca. 58 °C, geregelte Prozessführung |
| Dauer | bis zu 12 Monate für vollständigen Abbau | Desintegration in 12 Wochen, Abbau in 6 Monaten |
| Infrastruktur | privater Garten oder Komposter | industrielle Kompostieranlage |
| Zertifikat | OK compost HOME (TÜV Austria) | EN 13432, OK compost INDUSTRIAL, Keimling |
Worauf Verbraucher achten sollten
Wer kompostierbare Verpackungen oder Produkte kauft, sollte nicht nur auf Schlagworte wie „bio" oder „nachhaltig" achten, sondern gezielt nach Zertifikaten suchen.
- OK compost HOME steht für nachgewiesene Heimkompostierbarkeit, das Produkt darf in den eigenen Kompost.
- EN 13432 oder OK compost INDUSTRIAL bedeutet industriell kompostierbar, das Produkt gehört über die Biotonne in die Anlage, sofern der lokale Entsorger das vorsieht.
- Begriffe wie „biobasiert" oder „biologisch" ohne Zertifikat sagen nichts über das Ende der Lebensdauer aus, sie beschreiben nur den Ursprung.
- Im Zweifel lohnt sich der Blick auf die Herstellerangaben, seriöse Anbieter weisen das Zertifikat samt Prüfnummer aus.
Fazit
Biobasiert, biologisch abbaubar, heim- oder industriell kompostierbar, das sind vier verschiedene Aussagen über ein Material. Wer hier sauber unterscheidet, trifft bessere Kaufentscheidungen und vermeidet das versehentliche Entsorgen kompostierbarer Produkte im falschen Stoffkreislauf.
Unser Compound comp I verde ist ein Beispiel für einen Biokunststoff, der nicht nur biobasiert, sondern auch nach OK compost HOME zertifiziert ist. Damit eignet er sich für Anwendungen, bei denen das Produkt am Ende auf dem eigenen Komposter landen darf, von Blumentöpfen bis zu Einmal-Artikeln im Garten. Sprechen Sie uns an, wenn Sie für Ihre Anwendung das passende Material suchen.