Technologie

Spritzblasformen, Basiswissen zur Herstellung hohler Kunststoffprodukte

22. Oktober 2024 · BIOAFFIN Handels GmbH
Spritzblasformen Prozess für hohle Kunststoffprodukte

Was ist Spritzblasformen?

Spritzblasformen ist ein Kombinationsverfahren, das die Präzision des Spritzgusses mit der Formgebung des Blasformens verbindet. Im ersten Schritt entsteht ein präzise gespritzter Vorformling, im zweiten Schritt wird dieser in einer Blasform mit Druckluft in die endgültige Hohlkörpergeometrie ausgeformt.

Das Verfahren eignet sich besonders für kleinere bis mittelgroße Hohlkörper mit engen Maßtoleranzen, etwa Flaschen, Behälter und technische Bauteile. Im Vergleich zum klassischen Extrusionsblasformen liefert Spritzblasformen sauberere Hälse, gleichmäßigere Wandstärken und nahezu keinen Materialverschnitt.

Bestandteile des Prozesses

Eine Spritzblasformanlage besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Baugruppen. Jede Komponente erfüllt eine klar definierte Funktion im Prozessablauf.

  • Spritzgießeinheit: Schmilzt das Kunststoffgranulat auf und spritzt es um einen Kerndorn herum zu einem Vorformling.
  • Kerndorn: Trägt den Vorformling durch alle Prozessstationen und definiert die Innenkontur sowie den späteren Flaschenhals.
  • Blasform: Zweiteilige Werkzeugform, die die endgültige Außengeometrie des Hohlkörpers vorgibt.
  • Blaseinheit: Bringt Druckluft in den temperierten Vorformling ein und drückt das Material an die Werkzeugwand.
  • Steuerungssystem: Synchronisiert Temperatur, Druck, Taktzeiten und die Bewegung der einzelnen Stationen.
  • Kühl- und Entformeinheit: Sorgt für die maßhaltige Erstarrung und das saubere Auswerfen des fertigen Produkts.

Schritt für Schritt durch den Prozess

Der Ablauf folgt einer festen Reihenfolge mit klar definierten Übergängen. Typisch ist ein dreistufiger Aufbau mit Spritz-, Blas- und Entformstation.

  • 1. Vorformherstellung: Das aufgeschmolzene Polymer wird im Spritzguss um den Kerndorn herum zu einem dickwandigen, reagenzglasförmigen Vorformling geformt.
  • 2. Übertragung: Der Kerndorn mit dem noch warmen Vorformling wird in die Blasstation überführt und in die geöffnete Blasform eingeschlossen.
  • 3. Blasen: Druckluft wird durch den Kerndorn eingeleitet, der Vorformling dehnt sich aus und legt sich an die Innenwand der Blasform an.
  • 4. Abkühlung: Die Blasform ist temperiert, das Material erstarrt unter Beibehaltung der Endkontur und der definierten Wandstärke.
  • 5. Entformung: Die Blasform öffnet, der Kerndorn fährt zur Auswurfstation und das fertige Produkt wird entnommen, ohne Nachbearbeitung am Hals.

Typische Materialien im Spritzblasformen

Die Materialauswahl richtet sich nach Produktanforderung, Sterilisierbarkeit und mechanischer Belastung. Folgende Thermoplaste sind im Spritzblasformen besonders verbreitet.

Material Eigenschaft
PE (Polyethylen)Flexibel, chemisch beständig, geeignet für Verpackungen und Behälter mit weichem Griff.
PP (Polypropylen)Höhere Temperaturbeständigkeit, gute Steifigkeit, geeignet für sterilisierbare medizinische Behälter.
PET (Polyethylenterephthalat)Hochtransparent, gute Gasbarriere, Standard für Getränkeflaschen und Lebensmittelverpackungen.
PVC (Polyvinylchlorid)Gute Maßhaltigkeit und chemische Beständigkeit, eingesetzt für Behälter mit anspruchsvollen Inhaltsstoffen.

Vorteile des Spritzblasformens

Spritzblasformen punktet überall dort, wo Präzision, Wiederholgenauigkeit und Materialeffizienz gefragt sind.

Vorteil Nutzen
Hohe MaßgenauigkeitEnge Toleranzen besonders im Halsbereich, ideal für Standardverschlüsse.
Gleichmäßige WandstärkeStabile mechanische Eigenschaften über die gesamte Produktoberfläche.
Kein MaterialverschnittKeine Quetschnaht, keine Butzen, kein Trimmen, geringerer Rohstoffeinsatz.
Sauberer HalsbereichSpritzgegossene Gewinde mit definierter Geometrie und Optik.
Hohe StückzahlenKurze Taktzeiten und automatisierter Ablauf für Großserien.

Nachteile und Grenzen des Verfahrens

Trotz seiner Vorteile ist Spritzblasformen nicht für jede Anwendung die richtige Wahl. Diese Punkte sollten in der Auslegung berücksichtigt werden.

Einschränkung Auswirkung
Hohe WerkzeugkostenZwei Werkzeugsätze nötig, Spritzguss- und Blasform, höhere Anfangsinvestition.
Begrenzte ProduktgrößeWirtschaftlich vor allem für kleine bis mittelgroße Hohlkörper bis etwa 500 ml.
Geometrische GrenzenKomplexe Geometrien mit Griffen oder Hinterschnitten sind schwer realisierbar.
MaterialeinschränkungNicht jedes Polymer eignet sich, das Material muss spritz- und blasbar sein.

Typische Anwendungen

Spritzblasformen ist überall dort etabliert, wo Hohlkörper mit hoher Genauigkeit und in großen Stückzahlen benötigt werden.

  • Getränke- und Lebensmittelflaschen: PET-Flaschen für Wasser, Säfte und kohlensäurehaltige Getränke.
  • Medizinische Behälter: Tablettendosen, sterilisierbare Fläschchen und Diagnostikgefäße aus PP oder PE.
  • Kosmetik- und Pflegeverpackungen: Tiegel, Cremebehälter und kleine Lotion-Flaschen mit präzisem Gewinde.
  • Automotive: Kleinere Tanks und Behälter, etwa für Betriebsflüssigkeiten und Hilfssysteme.
  • Haushalts- und Industrieprodukte: Reinigungsmittelflaschen, Chemikalienbehälter und Dosierflaschen.

Fazit

Spritzblasformen ist ein präzises, materialeffizientes Verfahren für Hohlkörper, die enge Toleranzen und hochwertige Halsgeometrien erfordern. Es schließt die Lücke zwischen reinem Spritzguss und klassischem Extrusionsblasformen und ist die Methode der Wahl für Getränke-, Pharma- und Kosmetikverpackungen in großen Serien.

Wer das Verfahren auf nachhaltige Materialien umstellen möchte, sollte die Verarbeitbarkeit der Polymere früh prüfen. Biobasierte und biologisch abbaubare Compounds können je nach Formulierung im Spritzblasformen eingesetzt werden, sofern Schmelze- und Dehnverhalten zum Werkzeug passen. BIOAFFIN unterstützt verarbeitende Unternehmen dabei, geeignete Materialien zu qualifizieren und Prozessparameter auf das jeweilige Produkt abzustimmen.

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